Wird Europa christlich, atheistisch oder islamisch sein?

Ein spannender Vortrag von Prof. John Lennox – ein ehemaliger Kollge von Richard Dawkins – zum Thema Naturwissenschaft und Glaube.
Im historischen Kontext stellt sich die spannende Frage – nachdem der atheistische Ostblock zusammengebrochen ist – wird Europa christlich, atheistisch oder gar islamisch werden?

Im Raum Oxford und auch in Frankreich oder auch in Belgien dehnt sich der neue Atheismus aus. Prof. John Lennox nimmt Stellung als Christ und Naturwissenschaftler zu den Diskussionen.

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„Gottes eigenes Land“

Nein, nicht Neuseeland, nicht Australien und nicht die USA sind es, die in diesem Fall als „Gods own Country“ bzw. „Gottes eigenes Land“ betitelt wurden, sondern es ist Europa, das Bischof Mixa, anlässlich seines bischöflichen Jahresempfanges, als dieses bezeichnet hat. Geladen war auch Hans-Gert Pöttering. Fazit:

Zu verstärktem Engagement für die Einigung Europas auf der Grundlage christlicher Grundwerte haben der Präsident des Europäischen Parlamentes Prof. Hans-Gert Pöttering und der Bischof von Augsburg, Dr. Walter Mixa, der zugleich Militärbischof der Bundeswehr ist, alle Christen in Deutschland aufgerufen. Pöttering sprach beim Jahresempfang der Diözese Augsburg zum Thema „Christliche Werte für Europa“ vor rund 400 geladenen Gästen. Den Vertrag von Lissabon bezeichnete Pöttering als „absolute Notwendigkeit für die Handlungsfähigkeit Europas, ohne die auch die europäischen Werte in einer veränderten Welt nicht auf Dauer erhalten werden können“. Bischof Mixa erinnerte die Christen an ihre Verantwortung für Europa, das „der Heilige Paulus selbst für die Botschaft Christi entdeckt hat“ und das deshalb ohne Übertreibung und richtig verstanden als „Gottes eigenes Land“ bezeichnet werden könne.

Durchaus bedenklich ist hierbei die Gleichsetzung von Europa mit der Europäischen Union, der hier das Wort geredet wird. Denn ein Engagement für Europa ist durchaus möglich, ohne, dass man gleichzeitig Politik und Struktur der EU gut heißen muss und zwar weil „Europa“ ein viel umfassenderer Begriff ist, als es die EU je sein kann. Ein solches Engagement kann sogar völlig unabhängig von der EU sein, ist Europa doch zu allererst ein historischer Begriff, die Bezeichnung eines Werte- und Kulturraumes, nicht einer der momentanen politischen Gestalt. Das Ansinnen hinter dieser Gleichsetzung ist jedoch leicht zu erkennen: Indem man die EU mit Europa gleich setzt, will man diese der konkreten politischen Kritik entziehen und die EU damit transzendieren.

Zu bedenken ist auch, dass die EU eben gerade eine Institution ist und sein will, die sich erklärterweise nicht auf dem christlichen Fundament Europas gründet (und das bei einem Anteil von 75% Christen!). Im Lissabon-Vertrag lesen wir etwas von dem „kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas“ – was immer das heißen mag. Nicht ohne Grund nimmt man eine solche nichtssagende Floskel, die eine deutlich Distanz zu einem klaren Bekenntnis, geschweige denn zu einem Gottesbezug, aufweist. Jeder soll sich herauslesen können, was er mag. Gerade dies zeigt ja offensichtlich, dass nicht einmal in Bezug auf die Verdienste des Christentums für die europäische Kultur eine Einigkeit unter den Vertretern der verschiedenen Länder herrscht.

Wie aber soll man sich da als Christ, wie Pöttering fordert, für die Einigung Europas, also der weiteren EU-Integration, einsetzen, die letztlich nur einen faulen Kompromiss in solchen grundsätzlichen Fragen bedeutet? Welche „europäischen Werte“ sind es, die erhalten werden sollen, wenn dies nicht einmal in einem grundlegenden Text, wie dem Lissabon-Vertrag, zum Tragen kommen?